Malteser Kinderhospizdienst in Heidenheim ist gestartet.
Der Malteser Hilfsdienst hat im Landkreis Heidenheim einen Kinderhospizdienst ins Leben gerufen. Bei der Auftaktveranstaltung am 9. Juni 2010 im Gemeindesaal St.-Maria in Heidenheim unterstrich Landrat Hermann Mader die Notwendigkeit dieses Angebotes. Als Schirmherr des Kinderhospizdienstes Heidenheim sicherte er die finanzielle Unterstützung durch die Aktion „Heidenheimer Schulen laufen“ zu.
Die Malteser sind in Heidenheim bereits mit der Rettungshundestaffel, dem Krankentransport, der Intensivpflege und der Kinderkrankenpflege vertreten. Immer häufiger seien aus dem Kreisgebiet auch Anfragen zur Kinderhospizarbeit eingegangen, erklärte der stellvertretende Bezirksgeschäftsführer der Malteser Ostalb, Markus Zobel, vor rund 100 Gästen bei der Auftaktveranstaltung am Mittwoch in Heidenheim. In Abstimmung mit den Kollegen der Erwachsenen-Hospizarbeit habe man sich deshalb dazu entschlossen, diese „kinderspezifischen“ Angebote auch im Landkreis Heidenheim zu etablieren. Zobel dankte Landrat Hermann Mader, der sich trotz seines engen Terminkalenders und seinen vielfältigen Aufgaben bereit erklärt habe, die Schirmherrschaft für den Kinderhospizdienst zu übernehmen. Sein Dank galt auch dem Dekan Dr. van Meegen und seinem Stellvertretender Pfarrer Zorn. Beide unterstützen die Aktivitäten des Malteser-Kinderhospizdienstes mit großem Engagement. Am Mittwoch versicherten sie, den ehrenamtlich engagierten Hospizpaten seelsorgerisch zur Seite zu stehen. „Sterben und Tod sind in unserer Gesellschaft ein Tabuthema, vor allem im Zusammenhang mit Kindern“, sagte Landrat Hermann Mader. Dank der Hospizbewegung werde jedoch immer deutlicher, wie wichtig es sei, sich auch in der Öffentlichkeit mit dem Thema auseinander zu setzen. Durch das bisherige Engagement steige in der Gesellschaft die Nachfrage nach Kinder- und Jugendhospizarbeit. Nicht umsonst habe die Stiftung Kinderland Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Baden-Württemberg ein Projekt zum Ausbau der ambulanten Kinder- und Jugendhospizarbeit initiiert und sich zum Ziel gesetzt, die Kinderhospizdienste für jeden Landkreis in Baden-Württemberg flächendeckend auszubauen. „Ausgehend von den Zahlen der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Baden-Württemberg leben etwa 3000 lebensverkürzend erkrankte Kinder im Land. Das sind auf den Landkreis Heidenheim gerechnet rund 30 betroffene Kinder und ihre Familien“, gab Mader zu bedenken. „Auch in unserer Region steigt die Nachfrage nach Hilfsangeboten“. Das Leid dieser Familien lasse sich nur sehr schwer in Worten ausdrücken. Durch die Diagnosestellung einer lebensverkürzenden Erkrankung bei einem Kind sei nichts mehr so, wie es vorher war, so der Landrat weiter. Er schilderte die Probleme, denen sich die betroffenen Familien stellen müssen. So lasse sich der Familienalltag nur sehr schwer organisieren, weil sich ein Elternteil, entweder in der Klinik oder zu Hause, oft ohne Unterbrechung um das kranke Kind kümmern müsse. Plötzlich müsse der andere Elternteil alle anfallenden Aufgaben, vom Haushalt, über die Versorgung der Kinder bis zu Behördengängen, alleine erledigen und parallel dazu noch seiner erwerbstätigen Arbeit nachgehen. Manchmal sei dadurch heute sogar der Arbeitsplatz gefährdet. „In dieser Zeit verlieren die Geschwisterkinder oft die Sicherheit des Alltags und müssen zurückstecken“, so Mader. Der Fokus der Eltern sei meistens auf das kranke Kind gerichtet. In diese Familiensituation versuchten die ehrenamtlichen Hospizpatinnen des Malteser-Kinderhospizdienstes, die Familie individuell zu begleiten. Die drei wichtigsten Hauptaufgaben der Hospizpaten sind Begleitung, Beratung und Vermittlungstätigkeiten für die ganze Familie mit einem lebensverkürzend oder schwer erkrankten Kind. Dieser Einsatz beginnt mit der Diagnosestellung bis zum Tod des Kindes. Gegebenenfalls wird die Familie darüber hinaus auf ihrem Trauerweg der Familie begleitet. Für Kinder und Jugendliche bieten die Malteser eine spezielle Trauerbegleitung an. Die Mitarbeiterinnen des Malteser-Kinderhospizdienstes sind Ansprechpartnerinnen für alle Fragen zum Thema „Kind, Tod und Trauer“. Sie beraten Einzelpersonen und Institutionen und arbeiten eng mit Kirchengemeinden, Kindergärten, Schulen, Erwachsenenhospizdiensten, Kliniken, Pflegediensten oder Jugendämtern zusammen.Der Dienst ist für die Familien kostenfrei und wird von den Krankenkassen bezuschusst. Allerdings müssen mindestens zwei Drittel der Kosten über Spendengelder finanziert werden. Vor diesem Hintergrund war die Freude bei den Maltesern groß, als Landrat Hermann Mader die Hälfte der Spendeneinnahmen aus der Aktion „ Heidenheimer Schulen laufen“ dem Kinderhospizdienst zu überlassen. Das ehrenamtliche Engagement der Hospizpaten sei ein Zeichen für gelebte christliche Nächstenliebe, sagte Dekan Dr. van Meegen. Gerade in schweren Zeiten hätten die zwischenmenschliche Nähe und die Bereitschaft, Leid miteinander auszuhalten, eine hohe Bedeutung. Die Malteser hätten sich, ganz im Sinne ihres Leitsatzes „Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen, zur Gründung des Kinderhospizdienstes in Heidenheim entschieden, erklärte Baron von Thannhausen, Bezirksbeauftragter der Malteser. Die Hospizarbeit sei ein wesentliches Element der Malteserarbeit in Deutschland: die Wurzeln gingen zurück bis in die Gründungzeit des Malteserordens als einem der ersten Krankenpflegeorden der Welt. Mit dem ambulanten Hospizangebot werde der Wunsch vieler Menschen erfüllt, dort zu sterben, wo sie sich zu Hause fühlen. In Deutschland gibt es in der Trägerschaft der Malteser zehn Kinder- und Jugendhospizdienste, 87 ambulante Hospizdienste, 13 stationäre Hospiz- und Palliativeinrichtungen sowie eine Palliativakademie.
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